"Entspann Dich doch mal!" - Warum das bei Traumatisierten einfach nicht geht

"Maaaan, jetzt stell Dich nicht so an und entspann Dich mal!" Kennen Sie solche Aussagen von Freunden und Familie auch? Zeigen Sie Ihnen diesen Artikel. Vielleicht verstehen sie dann besser, warum das doch einfach nicht geht, auch wenn wir es noch so gerne wollen.

Trauma und Entspannung

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"Mach Dich mal locker." oder "Entspann Dich doch mal." ... das geht aber ganz oft gar nicht. Und das aus gutem Grund. Unsere Erfahrungen und die Erwartungen, die wir dadurch für die Zukunft haben, stellen unser Nervensystem gegebenenfalls auf Dauer-Alarm. Das ist ein Schutzmechanismus, den man nicht einfach mit einem Knopf abschalten kann.

 

Meditation, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Phantasiereisen, eine warme Badewanne... lauter gut gemeinte Ideen werden uns dann angeboten. Warum das alles unter bestimmten Umständen überhaupt nicht funktionieren kann, macht eine kleine Geschichte deutlich, die meine Lieblings-Dozentin zu Beginn meiner Ausbildung einmal erzählte:

 

Stell Dir vor, Du lebst in einer Höhle. Gemeinsam mit Deiner Frau, den 5 Kindern und Deinen alten Eltern. Jetzt hat Dir Dein Höhlennachbar erzählt, in der Gegend ist ein gefährlicher Grizzlybär gesichtet worden. Die Männer gehen Tag für Tag auf die Jagd, erwischen ihn aber nicht. Also hältst Du Nachtwache vor der Höhle, um Deine Familie zu beschützen. Du starrst in die Dunkelheit, hörst jedes Knacken und jedes Geräusch und bist permanent angespannt und über-aufmerksam. Und jetzt kommt der andere Höhlennachbar, klopft Dir auf die Schulter und sagt: "Maaaaaann, entspann Dich doch mal!" Was glaubst Du, wie Dein Nervensystem reagiert?

 

Genau, mit noch mehr Anspannung. Und Wut, weil wir uns nicht verstanden fühlen. 

 

Und das ist ganz normal!

 

Wenn wir also durch irgendwas in höchste Anspannung und Alarmbereitschaft gesetzt werden, dann können wir es gar nicht vollbringen, uns bewußt und aktiv zu entspannen.  Zuerst müssen wir den Bären erlegen.

 

Wir können es uns selber aber leichter machen.

 

Angst und Anspannung läßt uns verharren. Ein ganz normaler, physikalischer Prozess. Jeder von uns hat schon mal von der Schockstarre gehört und sie bestimmt auch in kleinerem oder größerem Maße erlebt. So dramatisch muß es gar nicht sein. Angespannte Menschen neigen dazu, vor sich hin zu starren. Wenn wir uns also in diesem Zustand befinden hilft es uns, wenn wir den Blickwinkel ändern. Und das ist in diesem Fall ganz körperlich gemeint. 

 

Versuchen Sie einmal, den Kopf ganz bewußt hin und her zu drehen und den Blick wandern zu lassen, statt auf einen Punkt zu starren. Wenn Sie es schaffen wäre es noch hilfreicher, wenn Sie sich drehen könnten. Einfach einmal um die eigene Achse. Langsam und mit Bedacht, nehmen Sie bewußt wahr, was Sie sehen.

 

Warum hilft das? Wir verschaffen uns Orientierung, kommen raus aus dem Tunnelblick und aus den "Tunnelgedanken". Das bringt sehr häufig eine Erleichterung für das Nervensystem, wenn es sieht, daß weit und breit kein Bär zu sehen ist. Das hilft uns, wieder in die Realität zu kommen und raus aus unseren Gedanken. 

 

Drehen Sie sich doch einfach mal, bevor Sie durchdrehen.

 

Sie werden erstaunt sein, wie hilfreich das ist.

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Vielen Dank, daß Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben.

 

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Mülheim

sind meine Therapieschwerpunkte Trauma, Angst und Phobie.

 

Anja Flörke

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